Geschichten aus 10 Jahren Jobmeisterei

Hier mal ein kleiner Auszug aus meiner langjährigen Erfahrung als Coach. Glaubt mir, ich habe so viele tolle Menschen und deren Geschichte kennenlernen dürfen, wo noch heute Kontakt besteht. Aber lest selbst …

Mein überraschendstes Coaching Ergebnis in der Alternativenfindung

Ein verzweifelter Kunde kam und bat um Unterstützung bei der Alternativenfindung. Er hatte gerade seinen Abschluss zum Dipl.-Chemiker absolviert – wollte aber nicht als Chemiker im Labor arbeiten. Auf die Frage, warum er denn bis zum Abschluss weiterstudiert habe, kam die Antwort: „ Meiner Eltern wegen“.  Ok, das war schon mal der falsche Weg. Nun ist es eine Herausforderung, für jemanden den man nicht kennt, die Kristallkugel herauszuholen und eine Alternative zu finden.

Für  Dipl.-Chemiker sind alternative Möglichkeiten eher eingeschränkt, da es eine wichtige Maßgabe ist, auch bereits erworbene Fachkenntnisse und Kompetenzen einzubeziehen.

Zu der Zeit hatte ich gerade die Ausbildung zur Profilpassberaterin absolviert und habe dann den Lehrordner aus dem Schrank geholt. Diese Profilarbeit ist eine sehr aufwendige und langwierige Prozedur, aber effektiv. Die Weiterbildung habe ich absolviert, schließlich war der ProfilPass von der Uni Tübingen im Auftrag des Bildungsministeriums entwickelt worden. Der Kunde erklärte sich einverstanden, diesen Weg mitzugehen. Nach insgesamt 3 Wochen Arbeit habe ich mich dann an die Matrix gemacht:  Das Ergebnis war im ersten Moment für mich niederschmetternd: Der Kunde sollte „Eventmanager“ werden.  Ups, da ist wohl etwas schiefgelaufen, also noch einmal. Matrix neu erstellt mit dem Ergebnis „Eventmanager“. Ich verlor das Vertrauen in den Profilpass, aber der Kunde sollte in 30 Minuten hier sein. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mir einzugestehen, dass es wohl leider nicht geklappt hat.

Also druckste ich herum und gestand ihm meine vermeintliche „Niederlage“ ein.

Dann folgte mein großes AHA-Erlebnis: Ich hatte das böse Wort mit Even* gerade ausgesprochen, da ging in seinem Gesicht die Sonne auf. „Das ist ja großartig.“ waren seine Worte. „Ich hab´s gewusst, seitdem ich in Vancouver mein Studium damit finanziert habe, für eine große Eventagentur zu arbeiten. Super Ergebnis, damit kann ich hervorragend leben.“
Das hatte er bis dahin mit keinem Wort erwähnt. Sprach`s und setzte es in sehr kurzer Zeit um. Der Kunde war glücklich im neuen Job und ich hatte mein Vertrauen in den Profilpass und meine Arbeit wieder.

Mein emotionalstes Erlebnis

Ein Kunde über 50 Jahre (= Kunde 50 Plus) war seit 2 Jahren wohnungslos, verheiratet und hatte Kinder. In dieser Situation war die Familie verteilt bei Freunden und Verwandten. Es war also kein normales Familienleben mehr möglich. Seine Frau und er waren seit Jahren arbeitslos. Das Jobcenter fragte mich, ob ich auch in einem solchen Fall helfen kann. Natürlich habe ich die Herausforderung angenommen, ohne wirklich zu ahnen, was auf mich zukommt.

Der Standpunkt des Kunden war: „Lass´ doch die Jüngeren arbeiten, ich habe lange genug geknüppelt.“

Puhh – harte Nuss. Ich habe ihm klargemacht, dass es nun mal nicht anders geht, wenn er nicht Gefahr laufen möchte, Sanktionen vom Jobcenter zu bekommen. Danach ging es also los: Mein Netzwerk aktiviert aber alle Vermittlungsversuche scheiterten spätestens dann, wenn die Postanschrift „Jobcenter“ lautete.

Also Strategiewechsel und erst einmal auf Wohnungssuche gehen. Gefühlt habe ich 100te Immobilienverwaltungen kontaktiert. Keine Wohnung frei, keine Arbeit also keine Wohnung, es gab viele Gründe der Ablehnung. Bis ich mich dann auf private Eigentümer konzentriert habe. Ich konnte meinen Text inzwischen im Schlaf erzählen: „Zuverlässiger Kunde, habe ihn im Coaching seit Wochen und einen super Eindruck, ich bin dran an der Arbeitsvermittlung. Aber, der Vermieter sei schließlich sicherer, die Miete zu erhalten, wenn sie vom Jobcenter kommt, usw. .“

Dann endlich sprach ich mit einem Vermieter, der mir versprach, darüber mit seiner Frau zu sprechen und mir am nächsten Tag seine Entscheidung kundtun werde. Ich hatte eine fast schlaflose Nacht, weil ich als Coach mittlerweile sehr emotional eingebunden war. Der potenzielle Vermieter hielt sein Versprechen und rief an: Er sei einverstanden, die Familie zu treffen und davon seine endgültige Entscheidung abhängig zu machen. Zusicherung der Mietzahlung durch das Jobcenter solle mitgebracht werden. Alles schnell organisiert und dann lief endlich mal alles so, wie ich es mir gewünscht habe: Es lief alles glatt. Der Wohnungsdeal war perfekt. Das Jobcenter finanzierte noch Möbel und die Familie konnte einziehen.

Jetzt zum anderen Teil der Aufgabe. Nun ging es wieder an die Jobfindung. Der Kunde war aus einem Job schon zu lange raus, er brauchte also Alternativen und eine Weiterbildung, mit der er auch etwas anfangen konnte. Mit intensiver Überzeugungsarbeit hieß das Ziel: Eine Weiterbildung zum Pförtner. Die Prüfung war nicht einfach und er hatte bedenken. Schlussendlich war er der Beste im Kurs und hatte sofort im Anschluss einen super Pförtnerjob über einen Security Dienstleister. Geschafft. Wir hatten noch ca. 2 Jahre Kontakt und bis dahin war er sattelfest im Job. Seine letzte Aussage war: „Das ist der Job bis zur Rente.“ Einen Kandidaten ohne Motivation, ohne Wohnung zu 4 Wänden und dann zur geregelten Arbeit begleitet zu haben, war eine große Herausforderung. Das Ergebnis war der schönste Lohn für mich.

Zwischenzeitlich hatte auch seine Frau wieder Arbeit gefunden – das Glück war perfekt.

Ein Blick in meinen Alltag im Umgang mit „Kleinigkeiten“

Manchmal stehen sich Menschen selbst im Weg, manchmal gehen sie einfach nur den falschen Weg.

  • Ein kleiner Satz an der falschen Stelle, vielleicht nur aus Unsicherheit, kann schon zur Absage führen. Selbstbewusstsein stärken, dem Kunden behilflich sein, seine Potenziale und Kompetenzen zu erkennen & Mut führen oft zur eigenen Erkenntnis. Die Kunden sind wie ausgewechselt.
  • Ängste abbauen, Stresssituationen entschärfen, kleine Tipps und Tricks verraten, z.B. die richtige Atemtechnik beim Sprechen und  schon verläuft ein Vorstellungsgespräch wie geschmiert.
  • Online-Bewerbungen haben ihre Tücken, dass spüren viele Kunden, die keine Reaktion auf Ihre Bewerbung erhalten. Ihre Bewerbung ist nicht bei einem Menschen angekommen, sondern wurde von Algorithmen vorher aussortiert. Wahrscheinlich, weil das Wording nicht übereinstimmte mit den Vorgaben bzw. die Fähigkeiten nicht gematched haben. Die Unterlagen sind im Grunde nicht online-kompatibel. Oft genügen kleine Veränderungen und Anpassungen und schon ist die erste Hürde – die Maschine – genommen.

Dafür zwei Beispiele aus dem echten Coaching Leben:

Beispiel 1

Der Kunde war erfahrener Finance Controller, Ende 30 und bewarb sich seit 1 Jahr erfolglos. Viele Bewerbung verpufften einfach. Die tatsächlichen 3 Einladungen hat er nicht nutzen können. Wir haben ein aussagekräftiges Profil erarbeitet und vor den Lebenslauf eingefügt, das 0815-Layout aufgehübscht, damit er sichtbar wird zwischen den vielen anderen Bewerbern. Mit neuen Bewerbungsunterlagen und einem gezielten Selbstpräsentationstraining ausgestattet, hat er sich an neue Bewerbungen gemacht und innerhalb von zwei Wochen drei Vorstellungstermine erreicht. Nachdem er alle 3 Termine absolviert hatte, rief er mich verzweifelt an und bat mich, ihm bei der Entscheidung zu helfen. Er habe nun 3 Arbeitsangebote und er wisse nicht, für welches er sich nun entscheiden solle. Yippieh…

Aber entscheiden musste er sich selbst. ♣♠♥♦

Beispiel 2

Eine Absolventin der BWL – klug, jung, hübsch. Aber völlig verunsichert, weil sie von sich glaubte, sie könne nichts, da sie im Studium ja nur Theorie gelernt habe. Sie habe sich so viel beworben aber nur Absagen erhalten. Der Situation angepasst war ihr Auftreten, ihre nonverbale und verbale Kommunikation schlicht eine Katastrophe.  Hmm … was tun?

Der erste Schritt war die Arbeit an ihren Glaubenssätzen. Diese mussten erkannt und positiv verändert werden. Ihre Haltung, ihre Körpersprache veränderten sich zusehends und das Selbstbewusstsein hielt Einzug. Super! Nun noch die verbale Ausrichtung. Atemtechnik und Sprechen üben …  Präsentationstraining und am Ende hatten wir es geschafft. Noch während des Coachingverlaufes haben wir Bewerbungen versandt und sie erhielt ausgerechnet von ihrem Wunscharbeitgeber eine Einladung. Und, was soll ich sagen … sie hat es gepackt, der Job war ihrer. Das macht mich schon stolz, wie meine Coachee dann ihre Erfolge einfahren. Deshalb weiß ich, warum ich die Jobmeisterei gegründet habe: weil ich das LIEBE, was ich tue.

Inzwischen konnten meine Mitarbeiter und ich einigen tausend Kunden helfen auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft. 2020 haben wir unser 10 jähriges Jubiläum gefeiert und uns gern an den einen oder anderen Kunden erinnert. Wir machen sehr gerne weiter und freuen uns auf weitere Kunden, egal ob jung oder älter, ob Hilfskraft oder Akademiker, ob Techniker oder Bürokraft, welches Geschlecht auch immer, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

Für uns alle zählt der Mensch … mit all seinen Facetten.

 

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im Februar 2021

Eure
Anke von Bargen-Rathjen

 

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